Sonntag, 26. August 2012

Heide Koehne: Der Buchladen

Die Autorin stammt aus meiner Region, aus Papenburg und wurde 1948 geboren. Dies ist ihr vierter Roman. Sie ist Schauspielerin und arbeitet seit mehreren Jahren für den Spiegel-Verlag.
Auf dem Cover ist der Eingang und das Schaufenster eines Buchladens zu sehen. Halb in der Sonne, halb im Schatten liegend. Dieser Kontrast passt zu der Stimmung des Buches.

Gertrud, elf Jahre jung, erzählt uns über ihr Leben. Die lieblose Mutter nimmt da einen großen Platz ein. Ein paar Jahre nach dem Krieg eröffnet die Mutter, die schon immer in einem Buchladen arbeiten wollte, einen Leihbuchladen. Für ein paar Pfennige können sich die Leute da Bücher ausborgen. Gertrud ist sich meistens selbst überlassen. Sie ist nicht gut in der Schule, futtert ihren Kummer in sich hinein und wird immer dicker, was ihr permanent zu schaffen macht.
Der Vater wohnt in einer anderen Stadt, die Eltern führen eine Wochenendehe, bis er eine andere Frau kennenlernt und die Mutter um die Scheidung bittet. Doch die weigert sich. Aber sie geht nun ab und zu mit Männern aus oder mit der Nachbarin Fräulein Lakaschus, mit der sie sich anfreundet.
Und dann tritt Ludwig Herz auf den Plan, der in der Leihbücherei für seine kranke Mutter Bücher ausgeliehen hat. Er bringt die letzten Bücher schon frühzeitig zurück, da seine Mutter gestorben ist.
Und eines Abends geht Gertruds Mutter mit ihm aus. Doch diesmal ist es irgendwie anders. Sie macht sich viel feiner als bei den anderen Männern und sie ist richtig aufgeregt. Und am nächsten Morgen kommen Eier zum Frühstück in die Pfanne. Dabei aß sie bisher wie ein Vögelchen und Gertrud musste kochen, damit die Mutter überhaupt etwas zu sich nahm.
Eines Tages macht Gertrud eine Entdeckung und es gibt eine Wendung in ihrem und ihrer Mutter Leben.

Das Buch hat sich schnell weggelesen. Ein wenig war ich enttäuscht, da ich dachte, es passt zu meinem Lieblingsgenre Bücher über Bücher. Aber dieses Thema spielte nur am Rande eine Rolle. Das Buch ist ja aus Sicht der elfjährigen Gertrud geschrieben. Mich wundert ein bisschen, wie ruhig sie alles so hinnimmt. Die Mutter, die ihr nicht so die Liebe geben kann, wie es eine Mutter vielleicht tun sollte. Oder auch die Hänseleien der Klassenkameraden, ihr Dicksein.
Ich sehe viele Gemeinsamkeiten zwischen Gertrud und mir, aber ich war damals voller Emotionen. Traurigkeit, Wut, Hilfslosigkeit, das habe ich alles empfunden. Davon ist bei Gertrud kaum etwas zu merken.
Zwischenzeitlich hatte ich mal kurz die Befürchtung, dass da noch Kindesmissbrauch mit ins Spiel kommt. Dem war aber nicht so, wie ich beruhigt feststellen konnte.

Alles in allem gefiel mir das Buch ganz gut.

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