Dienstag, 17. Oktober 2017

Im Gespräch mit Raquel J. Palacio

Raquel J. Palacio (rechts im Bild) und Renie
auf der Frankfurter Buchmesse

Die amerikanische Bestseller-Autorin Raquel J. Palacio ist in Deutschland durch ihren Kinderroman "Wunder" bekannt geworden, den sie 2012 erstmalig veröffentlicht hat, und der 2 Jahre später mit dem deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet wurde. Mittlerweile ist dieser Roman weltweit in mehr als 7 Sprachen erschienen und hat sich millionenfach verkauft. Gerade ist in Amerika die Romanverfilmung in den Kinos angelaufen, u. a. mit Julia Roberts und Owen Wilson. In Deutschland erscheint der Film im Januar 2018. Der Film-Trailer ist bereits veröffentlicht. 

In "Wunder" geht es um den 10-jährigen August Pullman, genannt Augie, der aufgrund einer Erbkrankheit und daraus resultierender Operationen ein missgestaltetes Gesicht hat.
Jetzt soll er zum ersten Mal eine öffentliche Schule besuchen. Der Roman schildert Augies Erlebnisse während seines ersten Jahres an dieser Schule.
"Ich heiße übrigens August. Ich werde nicht beschreiben, wie ich aussehe. Was immer ihr euch vorstellt - es ist schlimmer." (aus "Wunder")
Das Interview
Ich hatte nun die Gelegenheit, die wundervolle und sympathische Raquel J. Palacio - geistige Mutter von Augie - auf der Frankfurter Buchmesse 2017 zu treffen und ein Interview mit ihr zu führen. Das Ergebnis war ein energiegeladenes und sehr persönliches Gespräch. Raquel hat meine Fragen mit einer Engelsgeduld und sehr viel Begeisterung beantwortet.

Renie: Raquel, zunächst habe ich eine Frage zu Ihrer Karriere. Sie haben über 20 Jahre als erfolgreiche Grafikdesignerin und Art Director gearbeitet. Was brachte Sie dazu, das Metier zu wechseln und einen Kinderroman zu schreiben?
Raquel J. Palacio: Während meiner Zeit als Grafik Designerin habe ich mich immer wieder schriftstellerisch versucht. Ich habe viel für mich geschrieben, meistens Kurzgeschichten, die ich oft angefangen habe, aber selten zu Ende gebracht habe. Man kann also sagen, dass ich eher im Geheimen und nur für mich geschrieben habe. Und dann war da eines Tages dieses Erlebnis, das ich mit meinen Söhnen hatte: Während eines Ausflugs sahen wir diesen kleinen Jungen, der ein missgestaltetes Gesicht hatte und natürlich von allen angestarrt wurde. Das hat in mir etwas ausgelöst. Ich habe mich gefragt, wie es sich in einer Welt lebt, in der du permanent angestarrt wirst. Was macht das mit dir? Ich hatte das Bedürfnis eine Geschichte über dieses Thema zu schreiben.
Aus diesem Erlebnis heraus ist also die Idee für meinen Roman „Wunder“ entstanden. Und so wurde ich zur Schriftstellerin.

Renie: Hatten Sie bei diesem Roman Unterstützung von Ihren Kindern?
Raquel J. Palacio: Nein, hatte ich nicht. Mein jüngster Sohn war zu diesem Zeitpunkt 3 Jahre alt, mein Ältester war 12 und hat mit Büchern nichts zu tun haben wollen. (Mittlerweile hat sich das geändert ;-))
Daher stand für mich fest, ein Buch zu schreiben, das ihn zum Lesen bringt. Ich habe den Aufbau von „Wunder“ sowie ein paar Aspekte des Buches bewusst auf ihn angepasst: kurze Kapitel, witzige Szenen, wie die "pupsende Krankenschwester", Elemente aus Star Wars etc.. Ich wusste, dass mein Buch nicht mit anderen Büchern konkurrieren musste - er hat schließlich nicht gelesen - sondern eher mit Computerspielen, Handy und TV.
Um einen Jungen zum Lesen zu bringen, musst du seine Neugierde wecken. Du brauchst einen schnellen Einstieg in die Geschichte und musst ihn gedanklich beschäftigen, damit er dabei bleibt. Und das ist mir gelungen.

Renie: Der Aufbau Ihres Romans ist sehr besonders. Sie lassen die Handlung in Augies erstem Jahr an einer Schule aus unterschiedlichen Perspektiven erzählen. Natürlich bekommt Augie viel Raum, aber auch Mitschüler oder seine Schwester kommen zu Wort.
Warum haben Sie sich für einen derartigen Aufbau entschieden?
Raquel J. Palacio: Es ist wichtig für Kinder, dass sie mit den Charakteren in einem Buch mitfühlen können. Nicht jeder kann sich in Augie hineinversetzen. Aber aufgrund der Vielzahl der Charaktere in diesem Buch, findet jedes Kind mindestens eine Person, zu der es eine Verbindung herstellen kann.
So hat sich z. B. mein jüngster Sohn mit Jack, Augies Freund, identifiziert. Und tatsächlich war er am Boden zerstört, als Augie in dem Buch von Jack verraten wurde. Er wollte unbedingt wissen, warum Jack das getan hat. Die Erklärung kommt später in dem Buch. Damit hat sich mein Sohn dann zufrieden gegeben. 
Quelle: dtv

Renie: Hatten Sie Einfluss auf die Gestaltung des Buches? Ich denke da insbesondere an das Buchcover, wobei ich leider nur die deutsche Version kenne.
Raquel J. Palacio: Viele denken immer, dass ich als Art Director nur schwer zufrieden zu stellen bin. Das stimmt  aber gar nicht. Ganz im Gegenteil. Ich bin immer wieder erstaunt, was die Illustratoren aus meinem Buch machen. Bei der amerikanischen Variante hatte ich Mitspracherecht. Die deutsche Version habe ich erst gesehen, als das Buch veröffentlicht wurde. Und ich bin von dieser Version wirklich angetan. Ich würde nichts daran ändern wollen.

Renie: Kurz nach dem Erscheinen von „Wunder“ haben Sie weitere Bücher veröffentlicht, die in Bezug zu diesem Roman stehen, z. B. "Wunder - Wie Julian es sah", oder "Wunder - Charlottes Auftritt". Julian und Charlotte sind Kinder, die an Augies Schule waren. Julian war sozusagen der Ober-Mobber und Augies Gegner.  Aber erst in den nachfolgenden Büchern haben diese Charaktere Gelegenheit, die Geschichte um Augie aus ihrer Sicht zu schildern. Warum?
Raquel J. Palacio: Anfangs wollte ich den Roman ausschließlich aus der Sicht von Augie schreiben. Aber dann wurde ich neugierig und habe mich gefragt, welche Motivation andere Charaktere in dem Buch haben, so zu handeln, wie sie handeln. Und wenn ich neugierig auf die Motivation der Figuren bin, sind es meine Leser auch.

Wenn ich darüberhinaus wissen möchte, welche Wirkung Augie auf die anderen hat, muss ich seine Perspektive verlassen und in die Gedanken der anderen eintauchen und deren Sichtweise kennenlernen.

Renie: Haben Sie die Absicht noch weitere Charaktere zu Wort kommen zu lassen? Ich denke da insbesondere an die Erwachsenen, also die Eltern oder Lehrer?
Raquel J. Palacio: Meine Leserschaft besteht in erster Linie aus Kindern, und das soll auch so bleiben. Diese Kinder nehmen die Erwachsenen und Eltern aus ihrer Sicht war und haben dadurch ein ganz bestimmtes Bild von ihnen. Eltern wollen ihre Kinder schützen, sie wollen ihre kindliche Unschuld bewahren. Sie fluchen z. B. nicht vor ihren Kindern - naja, meistens nicht - , sie nehmen sich zurück, versuchen die Fassung zu bewahren. Augies Eltern zeigen sich ihm gegenüber immer optimistisch und positiv. Sie wollen nicht, dass er sie deprimiert und traurig erlebt. Natürlich haben sie Sorgen, sind manchmal am verzweifeln und vertrauen sich höchstens ihren Freunden an.
Ich denke nicht, dass Kinder diese Seiten eines Erwachsenen sehen sollten. Man möchte die kindliche Unbeschwertheit und Freude erhalten und nicht durch Sorgen und negative Stimmungen zerstören.

Renie: Augie ist doch sicherlich Teil Ihrer Familie geworden?
Raquel J. Palacio: Oh ja. Er ist wie ein weiterer Sohn für mich. Sogar mein Jüngster sieht Augie als seinen kleinen Bruder an und meinte neulich, dass alles in unserer Familie irgendwie mit „Wunder“ zu tun hat.

Renie: Mittlerweile gibt es zu Ihrem Roman einen Kinofilm, der bereits in Amerika angelaufen ist. Im Januar kommt der Film „Wunder“ in die deutschen Kinos, u. a. mit Julia Roberts und Owen Wilson in der Rolle der Eltern. Wie groß war Ihr Einfluss auf die Dreharbeiten. Sind Sie einbezogen worden?
Raquel J. Palacio: Ich wurde tatsächlich intensiver einbezogen, als ich vorher angenommen hatte. Ich konnte bei vielen Dingen mitreden - nicht bei allen - aber doch so viel, dass ich das Gefühl hatte, Einfluss nehmen zu können. Ich war am Set, habe die Schauspieler kennengelernt. Es war eine interessante Erfahrung. Ich habe den Film mittlerweile gesehen, und er ist fantastisch geworden.

Renie: Ich werde leider häufig von Buchverfilmungen enttäuscht. Das liegt meistens daran, dass die Schauspieler, die gezeigt werden, nie den Bildern der Charaktere entsprechen, die beim Lesen in meinem Kopf entstanden sind.
Raquel J. Palacio: Das stimmt. Und das wird auch bei Augie der Fall sein. Die Filmemacher mussten sich entscheiden. Sie wollten den Film für Menschen in jedem Alter machen. Daher haben sie sich für ein moderates Aussehen von Augie entschieden. Sie wollten ganz einfach den Horror-Effekt vermeiden. 
Ich habe diese Entscheidung akzeptiert, auch wenn der Film-Augie nicht dem Augie meiner Fantasie entspricht. Aber es funktioniert trotzdem. Denn seien wir doch mal ehrlich. Oft reicht schon ein Muttermal im Gesicht, um den Effekt zu erzielen, den Augie auf andere Menschen hat. Gestarrt wird immer. Insofern ist es nicht wichtig, dass der Film-Augie harmloser aussieht als der Augie aus meiner Fantasie.
Es lohnt sich, den Film anzusehen. Die Filmemacher haben sich eng an das Buch gehalten und nur dort Änderungen vorgenommen, wo sie nicht zu vermeiden waren. Julia Roberts in der Rolle der Mutter wird Ihnen das Herz brechen.
© Russell Gordon
Quelle: dtv

Renie: Nun meine letzte Frage: An welchem Projekt arbeiten Sie gerade?
Raquel J. Palacio: Ich habe vor einiger Zeit einen Roman für Kinder begonnen, aber wieder abgebrochen. Denn die Präsidentschaftswahlen in Amerika kamen dazwischen. Und ich hatte auf einmal das Bedürfnis etwas zu schreiben, das einen aktuellen Bezug zu unserer Vergangenheit und unserem Leben hat. Die Nachrichten, die wir jeden Tag im Fernsehen sehen, sind einfach zu besorgniserregend. In "Wunder - Wie es Julian sah" gibt es ein Kapitel, in dem Julians jüdische Großmutter von ihrem Leben in Frankreich während des 2. Weltkrieges erzählt.
Ich arbeite nun an einer Graphic Novel für Kinder, die diese Geschichte zum Thema hat. Ich hoffe, dass die Leser Parallelen sehen, zwischen dem, was damals passiert ist, und dem was heute in Amerika los ist. Nazis marschieren heutzutage durch die amerikanischen Städte. Ich kann das nicht glauben. Es ist verrückt …. unter den Blicken der Regierung von Trump …. Das macht mich traurig. Ich hoffe, dass die Leute eine Verbindung zu unserer Vergangenheit sehen, sich erinnern und dafür sorgen, dass diese Zeiten sich nicht wiederholen werden.
Deutschland ist da weiter als Amerika. In deutschen Schulen werden die Kinder über die Vergangenheit aufgeklärt. So sollte es auf der ganzen Welt sein. Doch leider ist es nicht so, insbesondere nicht in den USA. Die Amerikaner leiden unter Gedächtnisschwund und beschäftigen sich nicht mit der Vergangenheit. Sie leugnen einfach, was passiert ist.

Und deshalb schreibe ich diese Graphic Novel, mit der Absicht meinen Lesern die Vergangenheit näher zu bringen. Ich hoffe, es funktioniert.

Renie: Raquel, vielen Dank für dieses ausführliche Gespräch. Ich wünschen Ihnen alles Gute. Genießen Sie noch die Messe und kommen Sie gut zurück nach Hause in die USA.

© Renie


Ich habe Raquel Palacios Roman "Wunder" vor ca. einem halben Jahr zusammen mit meinem Sohn gelesen und besprochen. Hier geht es zu unserer Buchbesprechung.


(Eine Neuauflage des Buches erscheint im Dezember 2017.)


Sonntag, 8. Oktober 2017

John Williams: Nichts als die Nacht

Quelle: Pixabay/harutmovsisyan
Der Amerikaner John Williams hat sich seit der Wiederentdeckung und Neuauflage seines Romanes "Stoner" im Jahre 2006 posthum zum Kultautor entwickelt. Die meisten Leser, die sich mit den Büchern von Williams beschäftigen, sind von seinem kraftvollen Sprachstil angetan.

In der vorliegenden Novelle "Nichts als die Nacht" handelt es sich um das Erstlingswerk des Autors, das er im Alter von 22 Jahren geschrieben hat. Die Umstände, unter denen dieses Buch entstand, sind mehr als ungewöhnlich: Williams trat während des 2. Weltkrieges in das US Army Air Corps ein und wurde zum Kriegseinsatz nach Indien und Burma versetzt. Nach einem Flugzeugabsturz über dem Dschungel Burmas, wartete er schwerverletzt und von Todesangst geplagt auf seine Rettung. In dieser Zeit schrieb er sein Erstlingswerk "Nichts als die Nacht".
Quelle: dtv
"Dann aber glaubt er plötzlich, dass ihm nie ein Vorwurf für das gemacht werden konnte, was immer ihm auch im Laufe seines Lebens widerfuhr. Denn er handelte nicht aus eigenem Antrieb, hatte es nie getan. Irgendeine unsagbare Kraft drängte ihn von einem Ort zum anderen, und dies auf Wegen, die er vielleicht gar nicht nehmen wollte, durch Türen, von denen er nicht wusste, wohin sie führten, und es auch nicht wissen wollte. Alles war dunkel, namenlos, und er ging durch diese Dunkelheit." (S. 90)
"Nichts als die Nacht" behandelt 12 Stunden im Leben des Arthur Maxley. Während dieser 12 Stunden präsentiert sich dem Leser ein verstörter und seelisch zerrissener Protagonist, angetrieben von einer traumatischen Kindheitserinnerung, die er zwar zu unterdrücken weiß, die ihn aber trotzdem ständig unterschwellig begleitet. Diese Kindheitserinnerung scheint der Schlüssel zu seinen seelischen Problemen zu sein. Während dieser 12 Stunden wird Arthur nach einem morgendlichen Spaziergang einen Bekannten in einer Bar treffen. Später ist er mit seinem Vater verabredet, der aus beruflichen Gründen nur selten in Amerika ist, ebenfalls auf der Flucht vor der Vergangenheit. Zum Ende des Tages wird er wieder in einer Bar landen, wo durch ein banales Ereignis die Erinnerung, die ihn seelisch quält, auf einmal präsent sein wird. Er wird von einer Frau aus der Bar mit in ihre Wohnung genommen. Am Ende wird der Abend jedoch nicht so verlaufen wie beide gehofft haben.

Die Frage, welche den Leser von Beginn an beschäftigt, lautet: "Was ist in Arthurs Kindheit passiert, dass er zu dem geworden ist, der er ist?" Zum Ende wird der Leser zwar eine Antwort auf diese Frage erhalten. Doch trotzdem wird er nicht mit dieser Antwort zufrieden sein. Zu intensiv ist Arthurs innere Getriebenheit und das damit verbundene Gedankenchaos, das sich auf den Leser überträgt. Natürlich fragt man sich auch, wieviel John Williams in der Figur des Arthur Maxley steckt. Diese Frage lässt sich nur ansatzweise beantworten und lässt daher viel Raum für Spekulationen. Das hochinteressante Nachwort von Simon Strauß in der Ausgabe des dtv Verlages liefert dankenswerterweise einige Erklärungsansätze, die am Ende für ein wenig Entspannung und Ordnung in dem Gedankenchaos sorgen.
"Der Morgen hatte etwas an sich, was er nicht mochte, etwas, wie er fand, geradezu Obszönes. Es war, als erhöbe sich die Zeit allmorgendlich aufs Neue aus ihrem nächtlichen Grab, um über die Erde zu schleichen und sie sowie alles, was darauf wandelte, mit klammen Händen zu berühren. Und der Morgentau verströmte einen modrigen, übel riechenden Duft, der ihm so unangenehm in die Nase drang wie der muffige Geruch düsterer Zimmer in verlassenen Häusern." (S. 18)
Wer "Stoner" gelesen hat, wird sich fragen, ob diese Novelle wirklich von John Williams ist. Denn den wundervollen Sprachstil in dem "Stoner" geschrieben ist, der den Leser in einen Zustand innerer Ruhe versetzt, gibt es hier nicht. Stattdessen erwartet den Leser Zerrissenheit, Getriebenheit und Tragik. Das macht das Lesen sehr anstrengend, lässt man sich doch von dieser hohen Emotionalität anstecken. Der damals erst 22-jährige Williams, schriftstellerisch noch völlig unerfahren, entwickelte in seinem Erstlingswerk eine förmliche Gier nach der ultimativen Metapher. Ich bin sonst Freund einer metapherreichen Sprache. Doch hier war es mir einige Male des Guten zu viel. Zu abstrus und gezwungen wirkten die Sprachkonstruktionen. Simon Strauß erklärt dies in seinem Nachwort mit "dem jugendlichen Drang nach Vergegenwärtigung" und dem "allgegenwärtigem Wunsch nach Intensität, nach unbedingter Wirkung eines jungen Autors". Diesen Erklärungsansatz will ich gern akzeptieren. Glücklicherweise hat Williams diese Gier mit den Jahren in den Griff bekommen.

Fazit:
Dem Nachwort entnehme ich, dass John Williams sein Erstlingswerk in seinen späteren Jahren verleugnet hat. Der Verfasser des Nachworts vermutet, dass Williams die Geschichte "zu unfertig, zu verletzlich und angreifbar" erschien. Vielleicht war es dem späteren Williams auch einfach nur peinlich, was er als Jüngling in dieser damals hochdramatischen Situation im Dschungel fabriziert hat.

Wie auch immer, seine Selbstkritik ist meines Erachtens übertrieben. Denn diese Novelle ist nichts, wofür man sich schämen muss. Sie ist das Werk eines unerfahrenen Schriftstellers, der sich seine Todesangst von der Seele geschrieben hat. Dass daraus eine Geschichte entsteht, die verstörend und anstrengend ist, ist dabei nur verständlich.

© Renie





Über den Autor:
John Williams wurde 1922 in Texas geboren. Trotz seiner Begabung brach er sein Studium ab. Widerstrebend beteiligte er sich an den Kriegsvorbereitungen der Amerikaner und wurde Mitglied des Army Air Corps. Während dieser Zeit entstand die Erstfassung seines ersten Romans, der später von einem kleinen Verlag publiziert wurde. Williams erlangte an der University of Denver seinen Master. 1954 kehrte er als Dozent an diese Universität zurück und lehrte dort bis zu seiner Emeritierung 1985. Er veröffentlichte zwei Gedichtbände und vier Romane, von denen einer mit dem National Book Award ausgezeichnet wurde.John Williams starb 1994 in Fayetteville, Arkansas. (Quelle: dtv)






Freitag, 6. Oktober 2017

J. Paul Henderson: Der Vater, der vom Himmel fiel

Photo by Annie Spratt on Unsplash
Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen ... aber Väter tun dies scheinbar.  Zumindest in der Literatur ;-) Vor kurzem ist J. Paul Hendersons neuer Roman "Der Vater, der vom Himmel fiel" erschienen. Endlich! Seit ich im letzten Jahr seinen Roman "Letzter Bus nach Coffeeville" gelesen habe, bin ich Fan des Autors.

Der Vater, der hier vom Himmel fällt, ist Lyle Bowman, den gleich zu Beginn des Romans das Zeitliche segnet. Eigentlich fällt er gar nicht vom Himmel, sondern erscheint seinem jüngsten Sohn Greg, der eigens zur Beerdigung seines Vaters aus Amerika angereist ist. Lyle ist durch eine Verkettung unglücklicher und dämlicher Umstände gestorben. Und wie das so oft bei Beerdigungen der Fall ist, treffen hier Menschen aufeinander, die sich seit Jahren aus den Augen verloren haben. Hier sind es Billy und Greg Bowman, die beiden Söhne Lyles.
Quelle: Diogenes

Greg, das schwarze Schaf der Familie, hat es vor ein paar Jahren nach Amerika verschlagen. Sein Bruder hingegen hat die Heimat England nie verlassen. Mittlerweile ist Billy verheiratet und hat eine Tochter. Greg war immer das schwarze Schaf der Familie, Billy war eher der Typ "dummes Schaf". Auch schwarze Schafe können beruflich erfolgreich sein: Greg hat mittlerweile eine Dozentenstelle an der Uni. Billy konnte bisher beruflich auf keinen grünen Zweig kommen. Egal, welchen Job er annimmt, er wird  immer als der Loosertyp angesehen - leider nicht nur von den Kollegen sondern auch von der eigenen Frau. 
"'Nimm die Dinge, wie sie kommen. Wenn du mal unten bist, rappel dich nicht sofort auf, nur um gleich wieder niedergestreckt zu werden. Und versuch, ein bisschen netter zu sein. Du musst ja niemanden mögen, es soll nur danach aussehen. So vermeidet man Konflikte, und das Leben lebt sich leichter. ...'" (S. 218)
Die Männer der Familie Bowman haben sich auseinandergelebt. Grund genug, für Vater Lyle vom Himmel "zu fallen", seinem Jüngsten allabendlich zu erscheinen und ihm zur Aufgabe zu machen, die Familie wieder zusammenzubringen. Zu den Bowman-Männern gehört auch Onkel Frank, ein hochbetagter und schwerhöriger Querulant, der einen Höllenspaß daran hat, seine Mitmenschen zu schockieren. Einzig Greg und Billy nehmen Onkel Franks Eskapaden mit Humor. In ein paar Wochen wird Greg wieder nach Amerika zurückkehren. Bis dahin wird sich einiges in der Familie Bowman tun. Denn die Bowmans (Verstorbene eingeschlossen) haben ihre Geheimnisse, die nach und nach aufgedeckt werden.
Bei diesem Roman handelt es sich also um eine Familienzusammenführung der besonderen Art.
"Das musste Bowman-Liebe sein, vermutete Greg: stillschweigend, peinlich berührt, aber immer da." (S. 224)
J. Paul Henderson hat den saloppen Sprachstil, den er auch in seinem ersten Roman an den Tag gelegt hat, beibehalten. Fast schon im Plauderton erzählt er die Geschichte und platziert so ganz nebenbei mit großer Leichtigkeit einen Gag nach dem anderen.  Allein schon die Charaktere und ihr Zusammenspiel garantieren viel Komik in diesem Roman: Onkel Frank und seine schrägen Ideen, mit denen er sein Umfeld immer wieder aufs Neue schockiert; Billy mit sehr skurrilen psychischen Problemen; Greg, der es in seiner Jugend richtig krachen ließ und jetzt an den Folgen zu knabbern hat; und natürlich Lyle, ein toter Vater, der seinem Sohn erscheint - wenn das nicht schräg ist, dann weiß ich nicht.
"' ... Nach meiner Erfahrung entstehen Meinungen meistens aus Unwissenheit, und diejenigen mit der lautesten Meinung sind für gewöhnlich die, die am wenigsten wissen. ...'" (S. 129)
Leider gibt es einen Aspekt in diesem Roman, den ich als störend empfand: J. Paul Henderson spricht in diesem Roman die unterschiedlichsten sozialkritischen Themen an: Kleinbürgertum, Ausländerfeindlichkeit, Immigration, das englische Gesundheitswesen, Religion - wahrscheinlich waren es noch mehr. Es scheint, dass es Henderson nicht ausreicht, einfach eine gute Geschichte zu schreiben, die seinen Leser grandios unterhält. Stattdessen versucht er seinem Buch einen sozialkritischen Anstrich zu verpassen. Das hätte ich in diesem Roman nicht gebraucht. Ich wäre mit der guten Geschichte, die einfach nur grandios unterhält, mehr als zufrieden gewesen.

Fazit:
"Der Vater, der vom Himmel fiel" reicht zwar nicht an das Erstlingswerk von Henderson heran. Trotzdem habe ich diesen Roman mit großem Vergnügen gelesen. Auch wenn mich die sozialkritische Themenschwemme gestört hat, haben doch die positiven Aspekte überwogen. Allen voran die skurrilen Charaktere und der saloppe Sprachstil des Autors. Man sollte sich diesen Roman daher nicht entgehen lassen.

© Renie



Über den Autor:
J. Paul Henderson, geboren 1948 in Bradford, Yorkshire, studierte Amerikanistik und promovierte über Darlington Hoopes (den letzten sozialistischen Präsidentschaftskandidaten der USA). Nach Gelegenheitsjobs als Gießer, Busfahrer und Finanzbuchhalter arbeitete er als Vertriebschef für den New Yorker Sachbuchverlag Wiley-Blackwell. Inzwischen wohnt er wieder in Bradford. Nachdem seine Mutter Alzheimer bekommen hatte und gestorben war, wurde er mit einem unernsten Roman über ein ernstes Thema, ›Letzter Bus nach Coffeeville‹, zum Schriftsteller. (Quelle: Diogenes)

Dienstag, 3. Oktober 2017

Henry James: Lady Barbarina

Hyde Park, London (Camille Pissarro) (Wikimedia Commons)
Es gibt Autoren, deren Bücher lese ich mit einem Dauergrinsen im Gesicht. Henry James ist so einer. Der süffisante Sprachstil, den man in seinen Werken findet, ist eine der Ursachen für dieses Grinsen. Ein andere ist das Aufeinanderprallen zweier Kulturen, das in vielen seiner Bücher das bestimmende Thema ist. Bei Henry James trifft die "alte" auf die "neue" Welt; Engländer treffen auf Amerikaner und umgekehrt. Der Autor wusste, wovon er schrieb. Er, der als Amerikaner geboren wurde und als Engländer gestorben ist, war Zeit seines Lebens in beiden Kulturkreisen zuhause und hatte scheinbar einen Höllenspaß daran, britische und amerikanische Eigenheiten durch den Kakao zu ziehen.

In "Lady Barbarina", einer Erzählung, die 1884 erstmalig veröffentlicht wurde, befasst sich Henry James mit dem Bemühen, die zwei unterschiedlichen Völker zusammenzubringen, das Beste aus beiden Kulturen miteinander zu verschmelzen und am Ende ein neues Geschlecht quasi als Krone der Schöpfung entstehen zu lassen. Kurz gesagt, es geht um die Ehe zwischen einem millionenschweren amerikanischen Arzt und der englischen Tochter aus englischem Adelsgeschlecht sowie der Anbahnung dieser Ehe.
"Er spürte mehr denn je, welchen Wert sie in sich besaß und wie viel es die Gesellschaft gekostet hatte, solch eine Mischung hervorzubringen. Schlicht und mädchenhaft, wie sie war, und nicht besonders gewandt in dem Geben-und-Nehmen der Konversation, schien doch in ihren Adern ein Teil von Englands Geschichte zu fließen; sie war die schöne Blüte, die Generationen von Privilegierten und Jahrhunderte reichen Landlebens hervorgebracht hatten." (S. 95 f.)
Quelle: Kirchner PR/Dörlemann
Beliebter Volkssport der englischen Upper Class war zur damaligen Zeit das Promenieren - entweder zu Fuß oder zu Pferd. Wer in London etwas auf sich hielt und an denen interessiert war, die besonders viel von sich hielten, begab sich also in den Hyde Park und drehte dort seine Runden. Henry James' Erzählung beginnt in ebendiesem Hyde Park. Im Sinne von Waldorf und Statler ( = die beiden Alten aus der Muppet Show) sitzt hier ein älteres amerikanisches Ehepaar, beobachtet und sinniert über die Vorbeiziehenden. Die meisten von Henry James' Protagonisten in dieser Erzählung sind entweder wohlhabend oder adelig, selten beides gleichzeitig. Das Ehepaar gehört zu der Kategorie "wohlhabend". Sie machen nichts anderes, als durch die Weltgeschichte zu reisen. Unter den Flaneuren im Hyde Park entdecken sie den jungen und reichen Arzt Jackson, der schon seit einigen Wochen um die Gunst der Lady Barbarina wirbt. Es ist offensichtlich, dass sich hier eine transatlantische Verbindung anbahnt. Der Amerikaner Jackson will Lady Barbarina heiraten. Zunächst stehen diesem Plan jedoch die englischen Traditionen entgegen, die es Jackson nicht besonders leicht machen, sich seiner Angebeteten zu offenbaren. Sehr dosierte Treffen, meist im Beisein einer Anstandsdame sowie das klassische "Um-die-Hand-anhalten" bei den Eltern, lassen ihn in seinem Vorhaben, sich eine "Blüte" des englischen Adels zu angeln, nur sehr zäh vorwärts kommen.
Lady Barbarinas Eltern haben Vorbehalte gegen die Verbindung ihrer Tochter mit einem Amerikaner. Er hat keinen Titel. Der eines Doktors ist zu gewöhnlich. Adelig muss er sein. Dann ist Jackson auch kein Gentleman im englischen Sinne. Sein Auftreten ist eher forsch und direkt als zurückhaltend und distinguiert. Er ist irritierend selbstbewusst. Einziges Argument für eine Heirat: 1,5 Mio. Pfund Sterling, die Jackson sein eigen nennt. Am Ende siegt der Versorgungsgedanke der Eltern für die Tochter, und sie lassen sich auf mehrere zähe Verhandlungsrunden mit dem jungen Amerikaner ein, in denen um die Bedingungen für die eheliche Verbindung geschachert wird. Jackson wird Lady Barbarina mit nach New York nehmen, wo sie einen großen Teil des Jahres verbringen werden, mit gelegentlichen Abstechern nach London.
" ... dass man, da dies sein erster Heiratsantrag gewesen war, von ihm nicht erwarten könne, zu wissen, wie Frauen sich in dieser Notlage benahmen. Tatsächlich hatte er gehört, dass Lady Barb schon endlos viele Anträge erhalten hatte; und auch wenn er die Zahl für übertrieben hielt, was sie ja immer ist, musste er doch zu dem Schluss kommen, dass plötzlich so zu tun, als habe sie ihn fallenlassen, nur das übliche Verhalten war." (S. 66)
Etwa ein halbes Jahr später befinden sich Jackson und seine Angetraute in New York. Leider ist genau das eingetroffen, was viele Engländer und Amerikaner dieser Ehe prophezeit haben. Die englische Lady fühlt sich nicht wohl in der Heimat ihres Mannes. Sie hat auch keinerlei Ambitionen, sich in der New Yorker Gesellschaft einzuleben.

Die Amerikaner sind ihr zu bürgerlich und gewöhnlich. Sie verstören sie durch ihre Offenheit und Unbeschwertheit. Verhaltensweisen, die Lady Barbarina in London noch als drollig empfunden hat, sind ihr auf einmal zuwider. Da hilft auch ihre englische Erziehung nicht, die sie bestenfalls dazu bringt, den "Exoten" mit Höflichkeit und Würde zu begegnen.
Wie anders ist da ihre Schwester, Lady Agatha, die das junge Ehepaar nach Amerika begleitet hat und Lady Barbarina den Anfang in New York erleichtern soll. Denn Lady Agatha scheint aus der englischen Art geschlagen. Sie vergisst schnell ihre englische Erziehung und lässt es in New York richtig krachen.
Am Ende wird das Projekt "Völkervereinigung" leider scheitern. Aber einen Versuch war es wert.
"Sie hatte ihn geheiratet, hatte sich sein Vermögen gesichert und seine Aufmerksamkeit - denn wer war sie schon?, fragte er sich bisweilen voll Zorn, wusste er doch, dass es in England Lady Florences und Lady Claras wie Sand am Meer gab -, doch mit seinem Land wollte sie, wenn es sich vermeiden ließ, nichts zu tun haben." (S. 173 f.)
Was hat Jackson nur dazu bewogen, sich in Lady Barbarina zu vergucken? Die beiden haben nur sehr wenig gemeinsam. Henry James stellt die Verbindung auch nicht als Liebesliaison dar. Stattdessen gewinnt man immer mehr den Eindruck, dass Jackson sich mit Lady Barbarina ein seltenes und kostbares Dekorationsstück zugelegt hat, das es zu pflegen gilt. Jackson macht keinen Hehl daraus, dass ihn gar nicht so sehr Geist und Verstand von Lady Barbarina gefesselt haben (die im Übrigen auch nur sehr dosiert vorhanden sind) sondern eher ihre Schönheit und ihr Adelstitel. Sie verkörpert für ihn das Beste, was die britische Gesellschaft zu bieten hat. Daher ist eine Kombination seiner Eigenschaften (amerikanisch, klug, wohlhabend) mit ihren Eigenschaften (schön, adelig und britisch) das Nonplus Ultra, was eine Völkervereinigung hervorbringen kann.

Wieder einmal hat mich Henry James mit seiner Scharfzüngigkeit und seiner unglaublichen Beobachtungsgabe restlos überzeugt. Wenn ein Autor bei der Beschreibung eines Charakters jedes Mienenspiel in Worte fasst und auch noch so unscheinbare Kleinigkeiten, wie z. B. die Wuchsrichtung eines Männerbartes als erwähnenswert ansieht, kann man ihm eine große Liebe zum Detail bescheinigen. Henry James nutzt diese Details, um sich über seine Charaktere lustig zu machen. Gern begibt er sich in die Rolle des auktorialen Erzählers und bindet den Leser stellenweise in seine Überlegungen ein, die er mit viel Süffisanz und Ironie vermittelt. (Dadurch entsteht beim Leser auch dieses Dauergrinsen, das ich anfangs erwähnte).

Fazit:
Werke von Henry James sind immer großes Erzählkino, das Seinesgleichen sucht. Auch seine Erzählung "Lady Barbarina" lässt sich definitiv dazuzählen. Eine herrlich komische Gesellschaftssatire über den Versuch einer transatlantischen Vereinigung. Leseempfehlung!

© Renie




Über den Autor:
HENRY JAMES, 1843 in New York geboren, lebte lange Jahre als Amerikaner in Europa. In seinen »internationalen Romanen« setzte er sich intensiv mit den Gegensätzen zwischen der Alten und der Neuen Welt auseinander und gilt heute als einer der einflussreichsten Schriftsteller der amerikanischen Literatur. Er starb 1916 in London. (Quelle: Dörlemann)



Mittwoch, 27. September 2017

Leïla Slimani: Dann schlaf auch du

Quelle: Pixabay/Pexels

Der Roman "Dann schlaf auch du" von Leïla Slimani beginnt mit dem entsetzlichen Ende. Es tritt das ein, was man sich als Eltern nicht vorstellen möchte, und das einem hoffentlich nie passieren wird: Die Kinder sind tot, Mila und Adam Massé, ermordet von der eigenen Nanny Louise. Wie es zu dem Verbrechen kam und was die fürsorgliche Louise, die ihr Leben für die Kinder gegeben hätte, am Ende dazu brachte, ihre Schützlinge zu töten, sind Fragen, auf die dieser Roman Antworten liefert.
"Seit sie geboren sind, hat Myriam Angst vor allem. Am schlimmsten ist die Angst, dass sie sterben könnten. Sie spricht nie darüber, weder mit ihren Freunden noch mit Paul, aber sie ist überzeugt, dass jeder von ihnen schon mal so etwas gedacht hat. Ganz sicher haben auch sie ihr Kind im Schlaf betrachtet und sich gefragt, wie es sich anfühlen würde, wenn dieser Körper dort ein Leichnam wäre, wenn diese Augen für immer geschlossen blieben." (S. 22)
Die Tragödie der Familie Massé beginnt mit der Suche nach einem Kindermädchen für Mila und Adam. Lange hat Myriam, die Mutter, überlegt, ob sie diesen Schritt wagen soll. Es ist nicht einfach, die eigenen Kinder in die Obhut einer Fremden zu geben. Man kann einem Menschen schließlich nur vor den Kopf gucken. Doch Myriams Wunsch, wieder zu arbeiten und an einer Welt fernab von Windeln, Spielplätzen und Müttergesprächen teilzuhaben, ist größer als ihre Bedenken. Sie hat sich seit Milas Geburt vor etwas mehr als 3 Jahren, ausschließlich um ihre Kinder und die Wohnung gekümmert. Doch dafür hat sie nicht studiert, um am Ende nichts aus ihrer Ausbildung zu machen. Das Jobangebot eines ehemaligen Kommilitonen erleichtert ihr die Entscheidung zwischen Familie oder Karriere.
Quelle: Randomhouse/Luchterhand

Die Eltern Massé entscheiden sich für Louise, um die 50, ein Kindermädchen mit viel Erfahrung und den besten Referenzen. Von Beginn an übernimmt Louise das Zepter im Haushalt der Massés. Sie kümmert sich nicht nur um die Kinder sondern sie kocht, sie wäscht, sie putzt, sie kauft ein. Anfangs hat Myriam ein schlechtes Gewissen, dass sie einen Großteil ihrer Pflichten als Hausfrau und Mutter abgibt. Doch relativ schnell siegt bei ihr die Bequemlichkeit. Louise ist einfach zu perfekt, in dem was sie tut. Ihre Anwesenheit bedeutet eine enorme Entlastung für die Familie. Dank Louise genießen die Massés endlich wieder ihr Familienleben. Und Myriam kann sich voll und ganz dem Neufanfang ihrer Karriere widmen, die sie seit der Geburt der Kinder erst mal auf Eis gelegt hat.
"Sie konnte die Tragweite dessen, was sie erwartete, nicht ermessen. Mit zwei Kindern wurde alles viel komplizierter: einkaufen, die Kleinen baden, zum Arzt gehen, der ganze Haushalt. Die Rechnungen häuften sich. Myriam fühlte sich immer elender. ... , und sie hatte Lust, mitten auf der Straße wie eine Verrückte zu schreien. 'Sie fressen mich bei lebendigem Leib auf', sagte sie sich manchmal." (S. 15)
Die Kinder lieben Louise. Mila, die 3-Jährige, scheint jedoch ihren eigenen Kopf zu haben. Sie testet ihre Grenzen gegenüber Louise aus. Am Ende sitzt die Erwachsene jedoch immer am längeren Hebel.

Alles könnte perfekt sein in der Familie Massé, wenn da nicht die kleinen, feinen Spuren wären, die die Autorin Leïla Slimani auslegt. Diese Spuren hinterlassen Risse in dem perfekten Bild von Louise, und man fragt sich, was hinter dieser Fassade steckt, und wer Louise tatsächlich ist, was sie macht, wenn sie keine Kinder hütet, welche Vergangenheit sie hat, wer ihre Freunde sind etc. etc. ... Fragen, die im übrigen so gut wie nie von Louises Arbeitgebern gestellt werden. Louise ist für sie Mittel zum Zweck und Bewahrerin des familiären Wohlfühlfaktors. Jemand, der einem das Leben erleichtert, weil er sich der meisten Alltagspflichten annimmt. Der Mensch Louise ist dabei uninteressant.

Mit der Zeit nimmt das Unbehagen über Louise zu. Durch einen stetigen Wechsel in den Erzählperspektiven lernt der Leser Louise kennen, aus welchen Verhältnissen sie kommt, wie die Nachbarn sie sehen, ja sogar, welches Verhältnis die eigene Tochter zu Louise hatte und hat.

Und von Louise entsteht das Bild einer Frau, der man am besten nicht seine Kinder anvertraut hätte. Sie wird von der perfekten und liebevollen Nounou zu einer seelisch gestörten Frau, die es nicht ertragen würde, nicht mehr gebraucht zu werden.

Dieser Gedanke setzt sich bei ihr fest. Insbesondere als sie feststellt, dass die anfängliche Sympathie der Eltern in Aversion umschlägt. Louise legt merkwürdige Verhaltensweisen an den Tag, die nicht mit dem Bild der liebevollen Nanny, zu vereinbaren sind. Die Eltern ahnen, dass mit ihr etwas nicht stimmt. Aber sie zögern den Moment, sich von Louise zu trennen, hinaus. Ein fataler Fehler!
"Louise wartet. Sie beobachtet die Kinder, wie man einen frisch geangelten Fisch mit blutigen Kiemen betrachtet, dessen Körper im Todeskampf zuckt. Den Fisch, der im Bootsrumpf zappelt und erschöpft nach Luft schnappt, den Fisch, der keine Chance hat, davonzukommen." (S. 47)
Leïla Slimani hat mit diesem Roman einen Psychothriller geliefert, der unter die Haut geht und dabei fast ohne Blut auskommt. Hier wird mit der Urangst von Eltern gespielt, nämlich der Angst, dass dem eigenen Kind etwas zustößen könnte. Trotzdem man durch den Romananfang weiß, was passieren wird, begleitet den Leser während der kompletten Lektüre ein gewisses Unbehagen. Man schwankt zwischen Verständnis und Unverständnis für die Eltern. Jede Frau, die in ihrem Beruf aufgegangen ist und sich entschieden hat, aufgrund der Kinder Hausfrau und Mutter zu sein, wird sich fragen, ob diese Entscheidung richtig war. Daher ist es prima, wenn die Möglichkeit besteht, Karriere und Kind miteinander zu vereinbaren. Es ist nicht ungewöhnlich, dass man sein Kind in fremde Hände zur Betreuung gibt. Dass diese fremden Hände dem Kind jedoch schaden könnten, ist nichts, woran man zu denken wagt. Und in diesem Roman denkt man permanent daran.

Fazit:
Ein sehr intensiver Thriller, der unter die Haut geht, weil er mit den Ängsten von Eltern spielt und solchen, die noch Eltern werden wollen. Hier ist Hochspannung garantiert!


© Renie




Über die Autorin:
Die französisch-marokkanische Autorin Leïla Slimani gilt als die aufregendste literarische Stimme Frankreichs. Slimani wurde 1981 in Rabat geboren und wuchs in Marokko auf. Nach dem Studium an der Pariser Eliteuniversität Sciences Po arbeitete sie als Journalistin für die Zeitschrift »Jeune Afrique«. »Dann schlaf auch du« wurde mit dem höchsten Literaturpreis des Landes, dem Prix Goncourt, ausgezeichnet und erscheint in 32 Ländern. Ihr ebenfalls preisgekröntes literarisches Debüt »Dans le jardin de l’ogre« wird derzeit verfilmt. Leïla Slimani ist verheiratet und Mutter zweier Kinder. Sie lebt in Paris. (Quelle: Randomhouse/Luchterhand)

Sonntag, 24. September 2017

Hédi Kaddour: Die Großmächtigen

Quelle: Pixabay/ patrikhaecki
"..., während Madame Doly ihnen erklärte, was das Wort Großmächtige bedeute, nicht einfacher als das, wir sind einfach zivilisierter als all die Eingeborenen, wir haben viel mehr Gewicht, deshalb haben wir die Pflicht, sie zu führen, auf sehr lange Zeit, denn sie sind sehr langsam, und wir schließen uns zusammen, um es so gut zu machen wie nur möglich, wir sind die größte Vereinigung, die mächtigste Organisation des Landes!" (S. 20)
Die Großmächtigen - damit sind in Hédi Kaddours gleichnamigen Roman die französischen Besatzer gemeint, die nach dem ersten Weltkrieg, Nordafrika unter ihr Protektorat gestellt haben. "Afrique du Nord" - zu diesem Teil Afrikas (auch Maghreb genannt) gehörten damals Algerien und Tunesien sowie Teile von Marokko und Libyen. Der Roman führt uns in die Stadt Nahbès, die in zwei Hälften geteilt ist: diejenige, der französischen Kolonialherren und diejenige, der "Eingeborenen". Eines Tages schlägt hier mit viel TamTam ein amerikanisches Filmteam auf, um einen Hollywoodstreifen zu drehen. Und schon ist die Welt von Nahbès in Unordnung geraten. Die Amerikaner benehmen sich, als ob ihnen die Welt gehört. Die Franzosen scheinen eine angeborene Aversion gegen  Amerikaner zu haben. Und die meisten Maghrebiner lehnen generell alles ab, was nicht der wahren Religion angehört. 
Im Verlauf der ersten hundert Seiten kristallisieren sich einige Charaktere als Hauptprotagonisten heraus: 
Raouf - Sohn eines maghrebinischen Oberen, der eine französische Schulausbildung genossen hat und daher sowohl in der orientalen als auch der westlichen Kultur zuhause ist. 
Seine Kusine Rania, verwitwet, die es geschafft hat, sich eine Nische in der von Männern dominierten Kultur zu schaffen, in der sie ein geringes Maß an Selbstbestimmung erlangen konnte. 
Kathryn, amerikanische Schauspielerin, verheiratet, die sich an den deutlich jüngeren Raouf heranschmeißt. 
Die Pariser Journalistin Gabrielle sowie der Kolonialist Ganthier, der sich ein Leben in Nahbès aufgebaut hat.

Nach 6 Monaten bricht die Filmcrew zunächst einmal ihre Zelte ab, um nach ein paar Monaten wiederzukommen und die Dreharbeiten fortzusetzen.
Quelle: Aufbau Verlag
"Raouf hatte verstanden, David Chemla, sein Jugendfreund, hatte recht, sobald man diesen Amerikanern nicht nach der Pfeife tanzte, ließen sie einen stehen, das war Kapitalismus in seiner ganzen Überheblichkeit." (S. 31)
In der Zwischenzeit verlagert sich die Handlung nach Europa und konzentriert sich dabei auf Raouf und Kathryn sowie Ganthier und Gabrielle. Die vier reisen durch das kriegsgebeutelte Europa. Der erste Weltkrieg ist gerade beendet, der nächste Weltkrieg steht bereits vor der Tür.  Die Sieger des Krieges feiern sich, die Verlierer leiden und werden "bestraft". Im Großen sind es Reparationszahlungen, die zu leisten sind, im Kleinen sind es Verachtung und Schikanen der Sieger gegenüber den Menschen der Verlierernationen. Dem Leser zeigt sich das Bild eines zerrissenen Europas, ein guter Nährboden für Hitlers Gedankengut, der bereits als zukünftiger Machthaber in den Startlöchern steht.
Am Ende werden die vier Protagonisten wieder nach Nordafrika zurückgehen. Doch auch hier befindet sich die politische Situation im Wandel. Denn die Großmächtigen bleiben nicht ewig großmächtig.
"Manchmal lachen Menschen beim Arbeiten, ein Zeichen dafür, dass das Elend nicht gewonnen hat, ... wenn sie lachen, spüren sie dass die Welt besser sein könnte, und dann bekommen sie vielleicht Lust, sie zu verändern." (s. 219 f.)
Hédi Kaddour schildert hier eine Epoche, die die eigentliche Hauptrolle in diesem Roman spielt: die Franzosen als Besatzungsmacht in Nordafrika, unter dem Einfluss der 2 Weltkriege. Er spart dabei nicht mit Humor. Nicht nur Franzosen und Amerikaner bekommen hier ihr Fett weg. Auch die einheimische Bevölkerung Nordafrikas wird mit sämtlichen Klischees, was die arabische Kultur angeht, versorgt. Viel Potenzial zur Komik bietet dabei das Aufeinanderprallen der unterschiedlichen Kulturen. 
Der Sprachstil des Autors ist dabei gewöhnungsbedürftig. Hédi Kaddour scheint ein Freund von laaangen Sätzen zu sein. Hier werden Nebensätze in rekordverdächtiger Länge aneinandergereiht. 2-Zeiler sind da eher die Ausnahme.
Und trotzdem hat mir sein Sprachstil gefallen. Denn der Autor schreibt sehr bildhaft. Insbesondere diejenigen Passagen, die die islamischen Zeitgenossen behandeln, erinnern ein bisschen an 1001 Nacht.

Fazit:
Ein Lesevergnügen, das mich in eine Epoche zurückversetzt, der ich bisher nur wenig Beachtung geschenkt habe. Ich mag Bücher, die einen geschichtlichen Hintergrund haben und dabei noch viel Humor an den Tag legen. Bei "Die Großmächtigen" bin ich voll auf meine Kosten gekommen.

© Renie

ISBN: 978-3-351-03681-2


Über den Autor:

Hédi Kaddour, 1945 als Sohn eines Tunesiers und einer Französin in Tunis geboren, ist Professor für Französische Literatur, Dramaturgie und journalistisches Schreiben, außerdem selbst Journalist, Autor von Romanen, Essays und Gedichten, sowie Übersetzer aus dem Deutschen, Englischen und Arabischen. Für seine Romane „Waltenberg“, „Savoir-vivre“ und „Die Großmächtigen“ wurde er in Frankreich von Publikum und Kritik gefeiert und hat zahlreiche Preise erhalten. (Quelle: Aufbau Verlag)

Dienstag, 19. September 2017

Nina Jäckle: Stillhalten

Quelle: Pixabay / StockSnap
Die Autorin Nina Jäckle hatte eine Oma, was an sich nicht ungewöhnlich ist. Denn jeder hat (te) mindestens eine Oma. Aber die wenigsten Omas waren in jungen Jahren Tänzerin, und die wenigsten Enkel schreiben ein Buch über ihre Oma. Nina Jäckles Oma war die Tänzerin Tamara Danischewski. Insofern ist der Roman "Stillhalten" ein sehr persönliches Buch, schildert er doch einen Großteil des Lebens eines Familienmitgliedes der Autorin.  Tamara Danischewski wäre wahrscheinlich schon längst in Vergessenheit geraten, wenn nicht dieser Roman und ein besonderes Gemälde wären.

Schlägt man das Buch auf, blickt man auf das Porträt "Bildnis der Tänzerin Tamara Danischewski mit Iris", gemalt von Otto Dix, in der Zeit als sie als junges Mädchen ihre Leidenschaft - das Tanzen - lebte. Und sofort existiert eine Verbindung zwischen dem Leser und Tamara.
"Ein Duplikat des Bildes hängt über Tamaras Schreibtisch. In diesem Bild ist alles enthalten, was an Bedeutendem geschehen ist, gleichsam alles das, was daraus noch hätte entstehen können, jedoch nicht entstanden ist." (S. 10 f.)
Auf dem Bild ist Tamara 21 Jahre alt. Entstanden ist es in den 30er Jahren in Dresden, wo sie Tanz studierte. Der Anfang ihrer tänzerischen Laufbahn war vielversprechend. Sie galt als sehr talentiert. Das Tanzen war ihr Leben und ihre Leidenschaft. Der Maler Otto Dix war von dem Mädchen und ihrer Ausstrahlung fasziniert. Er schien zu erkennen, dass Tamara die Verkörperung des Ausdruckstanzes war. Abends trat Tamara in einem Kabarett auf, um Studium und Lebensunterhalt für sich und ihre Mutter zu finanzieren. Einen Ehemann und Vater schien es in dem Leben von Mutter und Tochter nicht zu geben. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten, sah sich der Maler Dix gezwungen, das Land zu verlassen. Die Bilder des Kriegsgegners Dix wurden schnell zur entarteten Kunst erklärt.

Durch die politische Entwicklung in Deutschland, geriet Tamara an einen Scheideweg. Sie musste sich entscheiden zwischen Versorgung in politischen Zeiten der Unruhe und glanzvoller Karriere einer Tänzerin. Der Versorgungsgedanke siegte, wozu ihre Mutter einen großen Teil beigetragen hatte. Tamara heiratete einen Mann, der Verbindungen zur neuen Macht in Deutschland hatte. In der Ehe mit ihm wurden ihr und ihrer Mutter ein sorgenfreies Leben ermöglicht, auch wenn die Welt um sie herum fast unterging. Jahre später, fast schon im letzten Abschnitt ihres Lebens angelangt, findet sich Tamara in einem großen Haus, irgendwo auf dem Land in der Einsamkeit wieder. Und sie wird bis an ihr Lebensende die Entscheidung, die sie in jungen Jahren getroffen hat, bedauern.
"Immer wieder stellt sich Tamara die Frage, ob dieses Stück Himmel, dieser kleine Ausschnitt vom Ganzen, der sich ihr vom Fenster ihres Zimmers aus bietet, ausreichend gewesen ist, ob er am Ende ausreichend gewesen sein wird, ob sie nicht mehr vom Himmel, mehr vom Leben verdient hätte." (S. 16 f.)
Die Beziehung zu ihrem Ehemann ist von großer Distanz geprägt. Der Mann geht seiner eigenen Wege. Mal ist er zuhause, mal nicht. In dem großen und reichen Anwesen, in dem das Ehepaar lebt, scheint sie nur ein weiterer kostbarer Gegenstand  zu sein. Den einzigen Kontakt zur Außenwelt hat sie über die Haushälterin und den Gärtner. Der einzige Freund, den sie hat, ist ein alter, unbrauchbarer Jagdhund, der dank Herrchens Gunst sein Gnadenbrot erhält. Ich konnte mir nicht helfen, aber ich habe während der Lektüre dieses Romanes immer eine Symbolik in dem Hund gesehen. Fast schien es, als ob das Dasein des Hundes ein Spiegelbild des Lebens von Tamara darstellt.

In einem Interview mit der Autorin Nina Jäckle habe ich gelesen, dass sie das Buch als Schriftstellerin und nicht als Enkelin geschrieben hat. Nun ja, diese beabsichtigte Trennung ist glücklicherweise nicht ganz gelungen. Denn in dieser melancholischen Geschichte schwingt viel Zärtlichkeit mit. Die Darstellung des Charakters der Tamara - insbesondere in den späteren Jahren - kann man fast schon als liebevoll bezeichnen. So kann man einen Menschen nur beschreiben, wenn man eine enge Beziehung zu ihm hat. Natürlich entwickelt sich beim Leser dadurch viel Empathie für Tamara. Die Handlung wechselt zwischen Szenen der Vergangenheit und dem Jetzt, unterbrochen von Erinnerungen und Gedankengängen von Tamara. Schnell wird klar, dass die ehemalige Tänzerin in der Vergangenheit gelebt hat und im Jetzt nur noch existiert.
"Genauso wird Grausamkeit erst möglich, denn sobald man das Leid verschweigt, ist Mitleid nicht mehr erforderlich." (S. 167)
Das Porträt, das Otto Dix seinerzeit von ihr gemalt hat, ist mittlerweile berühmt und reist durch die Welt, von Ausstellung zu Ausstellung, von Museum zu Museum. Tamara erhält regelmäßig Ansichtskarten von den Museen, in denen ihr Bild gerade ausgestellt wird. So "lebt" das Bild dasjenige Leben, das sich Tamara einst erträumt hat. Die Ansichtskarten machen ihr einmal mehr deutlich, dass ihr Leben auf falschen Entscheidungen und vertanen Chancen aufgebaut ist.

Fazit:
Dieser wunderschöne stille Roman strahlt viel Melancholie aus. Nina Jäckle hat einen sehr poetischen Sprachstil, der einfach nur gut tut. Es ist ein sehr persönliches Buch über eine Frau, die eine falsche Entscheidung getroffen hat und dadurch ihr Leben in die falsche Bahn gelenkt hat. Leseempfehlung!

© Renie






Über Nina Jäckle:
1966 in Schwenningen geboren, wuchs in Stuttgart auf, besuchte Sprachschulen in der französischen Schweiz und in Paris, wollte eigentlich Übersetzerin werden, beschloss aber mit 25 Jahren lieber selbst zu schreiben, erst Hörspiele, dann Erzählungen, dann Romane. 
Ihre ersten Bücher erschienen im Berlin Verlag: »Es gibt solche«, »Noll«,»Gleich nebenan« und »Sevilla«. Bei Klöpfer & Meyer erschienen 2010 mit großem Erfolg ihre Erzählung »Nai oder was wie so ist«, 2011 ihr Roman »Zielinski« und 2014 der Roman »Der lange Atem«. Sowohl »Zielinski« als auch »Der lange Atem« wurden ins Spanische übersetzt.
Nina Jäckle erhielt zahlreiche literarische Auszeichnungen, beispielsweise den Karlsruher Hörspielpreis, das große Stipendium des Landes Baden-Württemberg, das Heinrich-Heine-Stipendium, das Arbeitsstipendium des Deutschen Literaturfonds. Sie erhielt im Dezember 2014 den Tukan-Preis der Stadt München, 2015 den Italo-Svevo-Preis für ihr Gesamtwerk und den Evangelischen Buchpreis für ihren Roman »Der lange Atem«. Nina Jäckle ist Stipendiatin der Villa Massimo in Rom 2016/17. (Quelle: Klöpfer und Meyer)