Mittwoch, 17. Juni 2015

John Berger: G.

Man Booker Preisträger 1972:



Ist es eigentlich ein Frevel, wenn man einen hochgelobten Preisträger abbricht? Tut mir leid, aber ich kann nicht anders. Ich habe selten ein dermaßen schlechtes Buch gelesen.
Der Wikipedia-Eintrag deutete schon darauf hin, dass dieses Buch sehr speziell ist:

G. 1972. G. ist ein experimenteller Roman, durchdrungen von verschiedenen diskursiven Ebenen. Der Roman bearbeitet den Don Juan Mythos (G.= Giovanni, Don Giovanni = Don Juan) und zeichnet G. als existentiellen Helden, der sich gegen die herrschende Ordnung stellt.

Dieses Buch war mir nach 50 Seiten dann doch zu speziell.

Worum geht es? Da ich nur den Anfang des Buches kenne, gebe ich hier den Klappentext wieder:
Wer verbirgt sich hinter dem Kürzel G.? Gleich drei Personen betreten die Bühne dieses Romans: Giovanni, ein Don Juan. Garibaldi, Italiens Befreier. Geo Chavez, ein Pilot. Er erobert den Himmel. Das Kürzel G. wird zum Emblem vielfältiger Entgrenzungs- und Befreiungswünsche – sexueller, politischer und räumlich-geografischer. In seinem Roman spürt John Berger die rebellischen Momente der Epoche vor dem Ersten Weltkrieg auf und zeichnet ein Panorama voller Sinnlichkeit.

Dieses „Panorama voller Sinnlichkeit“ hat sich mir leider nicht offenbart. Dazu habe ich den Sprachstil als viel zu verworren und schwer verständlich empfunden. Die Handlung wird immer wieder von philosophischen Gedankengängen unterbrochen, die für mich leider kaum nachvollziehbar waren und wobei mich Berger immer wieder abgehängt hat.
Hier ist ein Beispiel:
Wenn der Tag sich einmal eingerichtet hat, wird er für sich kaum noch wahrgenommen; nur wenn es ein dramatisches Gewitter, einen Schneesturm oder eine partielle Sonnenfinsternis gibt, vergessen wir vielleicht den üblichen Ablauf unseres Lebens. Doch am Anfang oder am Ende des Tages, zur Zeit der Morgenröte oder des Sonnenuntergangs, wenn sich das Verhältnis zu allem Sichtbaren in schneller Veränderung befindet, neigen wir dazu, uns des Augenblicks bewußt zu sein wie dessen, womit wir ihn ausfüllen – ja manchmal sogar noch mehr. Angesichts der Morgenröte ist selbst der größte Egoist versucht, sich selbst zu vergessen. Ich gehe daher davon aus, daß das Erlebnis des Tagesanbruchs oder der hereinbrechenden Nacht in etwas geringerem Maße der historischen Veränderung unterliegt als das Erlebnis der Tage selbst.“

Häh???? Ich denke, dass ich ansatzweise verstehe, was Berger meint – sicher bin ich mir aber nicht. Aber lassen wir das….

Womit ich gar nicht klar gekommen bin, ist der Moment in dem Buch, als ein 5-Jähriger (FÜNF!!!!) im Detail seine sexuellen Fantasien und Gefühle beschreibt und dabei ans Heiraten denkt. Geht’s noch? Ein 5-Jähriger? Bei einem 5-Jährigen gehen die sexuellen Fantasien nicht über das „Doktorspielen“ hinaus. Mal abgesehen davon, dass er dies auch sicher nicht als sexuelle Fantasie definieren würde.

Bei dieser Stelle habe ich schließlich aufgegeben:
Der Junge trinkt Tee mit Zucker und erlebt das Schlucken des Tees folgendermaßen:
„Im Inneren des Mundes, der so mit dem Geschmack des Tees ausgekleidet ist, gibt es außerdem einen extra starken, fast übertriebenen Zuckergeschmack. Es ist ein Geschmack, der nicht auf den Mund begrenzt ist. Mit der Süße ist es wie mit dem Faden der Eurydike: sie führt von der Zunge den Schlund hinunter und dann auf geheimnisvolle Weise durch den Magen zu dem sexuellen Zentrum, in jenen winzigen Bezirk (der sich beim Mann von den Sexualorganen selbst unterscheidet), in dem sich das sexuelle Wohlbehagen ansammelt, bevor es in Wellen nach außen dringt. Dem Zucker haben wir die erste Einführung in das Liebesleben zu verdanken.“


Was für ein Blödsinn! Gab es denn 1972 keinen anderen Anwärter für den Man Booker Prize? Waren die anderen Werke, die zur Auswahl standen noch schlechter? Das kann ich ja gar nicht glauben.

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