Mittwoch, 21. August 2013

Stefanie Zweig: Das Haus in der Rothschildallee

Vor schon einiger Zeit habe ich mir den "Rothschildallee"-Dreiteiler gekauft. Vor Kurzem habe ich entdeckt, dass es noch einen vierten Teil gibt, der musste es dann auch noch sein. Und dann standen die Bücher im Regal.
Als nun meine Freundin Mirella von Stefanie Zweig das Buch "Nirgendwo ist Heimat" besprochen hat, ist mir die Autorin wieder näher in den Blick geraten.
Stefanie Zweigs Eltern sind vor den Nazis nach Kenia geflüchtet. Als sie 1947 zurückkamen, zog die Familie in eben diese Rothschildallee Nr. 9 ein. Und nachdem St. Zweig nun schon über ihre eigene Familie geschrieben hat, hat sie der Geschichte dieses Hauses nachgeforscht und wollte mal über andere Menschen schreiben.

Mit "Das Haus in der Rothschildallee" geht es los. Es ist der 27. Januar 1900, "Kaisers Geburtstag", und wir lernen einen glücklichen jüdischen Kaufmann Johann Isidor Sternberg und seine Familie kennen. Die Familie lebt in Frankfurt, in der Rothschildallee.
Anfangs zieht sich die Geschichte. Aber Stefanie Zweig hat so einen tollen Schreibstil, dass mich das gar nicht stört. Ganz in Ruhe kann ich die Familienmitglieder kennenlernen. Den Kaufmann Johann Isidor Sternberg, dem seine Geschäfte so gut laufen, dass er sich zwei Häuser kaufen kann. Seine Frau Betsy, die ihm treu zur Seite steht und von der er denkt, dass sie nicht alles mitbekommt. Und dann die Töchter, die ihm das Geld aus der Tasche ziehen, und die Söhne, von denen einer zum Militär und der andere Künstler werden will.
Doch dann kommt der 28. Juni 1914. Die Familie ist zur Kur in Baden-Baden. Der Hotelier berichtet seinen Gästen, dass der Erzherzog Franz Ferdinand und Sophie Gräfin Chotek, Herzogin von Hohenberg, in Sarajewo erschossen wurden.
Als am 1. August 1914 der Erste Weltkrieg beginnt, muss Sohn Otto zum Militär. Und im November desselben Jahres bekommt die Familie Nachricht, dass er im Oktober bei Ypern gefallen ist.
Und so geht das Leben weiter. Vater Isidor genehmigt sich einen Seitensprung. Und so bekommt er im Abstand von nur drei Wochen zwei Töchter, denn auch seine Frau Betsy war schwanger.

Johann Isidor hatte besessen den uralten Traum der Juden in Deutschland geträumt, sie würden eines Tages von ihren nichtjüdischen Mitbürgern als Gleiche unter Gleichen akzeptiert werden. Des Kaisers Wort zu Kriegsbeginn "Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur noch Deutsche" hatte diesen Besessenen in einen Rausch versetzt. Nach einem solchen Satz, wie ihn Kaiser Wilhelm II. vom Balkon seines Berliner Stadtschlosses gerufen hatte, hatte das Herz der deutschen Juden seit den Anfängen der Aufklärung gehungert.

Umso schwerer traf es ihn, dass im Oktober 1916 angeordnet wurde, den Anteil der Juden an den deutschen Streitkräften zu berechnen. Er begriff, dass er einer Illusion aufgesessen war.
Und während man im August 1914 noch dachte, der Krieg sei Weihnachten zu Ende, werden auch bei den wohlhabenden Sternbergs 1916/17 die Lebensmittel knapp.
Im April erfährt Johann Isidor Sternberg, dass die Mutter seiner unehelichen Tochter Anna gestorben ist. Der Mann, mit dem sie verheiratet war, kann sich nicht um das Kind kümmern, da er damit rechnet, jeden Augenblick zum Wehrdienst eingezogen zu werden. So holt Johann Isidor seine Tochter zu sich.

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