Sonntag, 2. Juni 2013

Markus Walther: Buchland

Eigentlich wollte ich gestern Abend ja ein Jugendbuch aus meiner Jugendzeit lesen. Aber eine Lesefreundin hat so von dem Buch Buchland von Markus Walther geschwärmt und mich so neugierig gemacht, dass ich es jetzt vorgezogen habe. Das Buch gibt es auch als E-Book und obwohl ich einen Reader habe, möchte ich "Bücher über Bücher" auch nur als Druckausgabe haben. Schon mit dem ersten Satz, dem ersten Absatz, ja der ganzen ersten Seite hat mich Markus Walther, von dem ich bisher noch nichts gelesen habe. "Die Bücher um mich herum, die sich unter einem staubigen Mantel zu verbergen suchten, schienen leise zu wispern. Sie erzählten sich ihre Geschichten, während sie darauf warteten, einen unschuldigen Leser zu finden, in den sie ihre Saat pflanzen konnten." So beginnt der verstaubt wirkende Antiquariatsbuchhändler Herr Plana zu erzählen. Er hat gleich einen Termin mit einer jungen Frau. Beatrice Liber kommt wegen eines Bewerbungsgesprächs. Nachdem sie ihm einige Seiten aus "Die 1,000,000 Pfundnote und andere humoristische Erzählungen und Skizzen von Mark Twain" vorgelesen hat, hat sie den Job und soll am kommenden Tag pünktlich eintreffen.

Ich liebe solche Bücher und ich beneide Beatrice jetzt schon um ihren Job. Was sie wohl alles erleben wird bei Herrn Plana. Ich weiß noch nicht, was Herr Plana im Schilde führt. In seinem Keller ist eine riesige Bibliothek. Hier scheinen sich alle, aber auch alle jemals geschriebenen Bücher zu befinden. Und er scheint mit ihnen kommunizieren zu können. Verursachen sie ihm ab und an seine körperlichen Schmerzen? Die können so stark werden, dass er sich kaum bewegen kann. Und hören nur auf, wenn ihm etwas vorgelesen wird. Über Beatrice ihr Schicksal habe ich schon etwas erfahren. Sie ist verheiratet und ihr Baby ist an einem plötzlichen Kindstot gestorben. Während sie selbst es nach einer Weile geschafft es, ihr Leben wieder einigermaßen auf die Reihe zu bekommen, ist ihr Mann zum Alkoholiker geworden. Beatrice hat ihren Buchladen verloren und so hatte sie sich bei Herrn Plana beworben. Aber ist das der richtige Job für sie? Im Keller hat sie ihr Buch entdeckt, das sie noch nicht geschrieben hat. Sie führte eine Art Romantagebuch über ihr eigenes Leben. Und nun liegt es hier als fertiges Buch, sogar mit einem Titel, den sie sich noch gar nicht ausgedacht hat. Und erst mal Herrn Plana seine Gäste: Schriftsteller aus vergangenen Jahrhunderten, die gar nicht mehr leben, tauchen mit einer Selbstverständlichkeit in dem Antiquariat auf. Eigentlich möchte ich gar nicht mehr viel erzählen, da das Buch nur 239 Seiten hat. Es geht weiterhin um Bücher und ums Lesen und einen guten Teil nimmt auch das Schreiben ein. Ich teile vollauf Herrn Planas Einstellung, dass ein Buch, bevor es auf den Markt kommt, mindestens ein Lektorat durchlaufen haben sollte. Überhaupt seine Gedanken um die heutige Medienwelt finde ich sehr interessant. Wer jetzt noch in den Vordergrund der Geschichte rückt, ist Beatrices Mann Ingo. Der kommt mir nicht ganz geheuer vor. Aber darüber berichte ich jetzt nicht. Da müsst ihr selber nachlesen. Wer nun nur auf Fantasy steht, dem wird es wahrscheinlich nicht so gefallen. Es ist zwar Fantasy enthalten, aber es hält sich alles in Grenzen. Wer aber Bücher liebt und gerne über das Thema liest, dem gebe ich eine Kauf- bzw. Leseempfehlung. Ehrlicherweise muss ich aber dazuschreiben, dass mir, obwohl das Buch lektoriert wurde, doch einige Fehler untergekommen sind. Weil aber die Geschichte ansonsten stimmt, verzeihe ich dem Autoren.

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