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Dienstag, 6. April 2021

R. Clifton Spargo: Beautiful Fools

Der amerikanische Autor Francis Scott Fitzgerald und seine Ehefrau Zelda galten in den 20er und 30er Jahren in Hollywood als Inbegriff des Glamour-Paares. Die Ehe der Beiden wäre heutzutage sicherlich ein heiß diskutierter Gegenstand der boulevardesken Berichterstattung. 

Ohne Boulevard, dafür jedoch mit Anspruch, nimmt sich der Amerikaner R. Clifton Spargo ebenfalls des Ehelebens der beiden Promis an. In dem biografischen Roman "Beautiful Fools" konzentriert er sich dabei auf eine Zeit des Zusammenseins der Fitzgeralds, in der von Glamour nur noch wenig festzustellen ist. 

Im Jahr 1939 sind die Fitzgeralds bereits 20 Jahre verheiratet. Durch eine psychische Erkrankung war Zelda in den letzten Jahren zu mehreren Klinik-Aufenthalten gezwungen, die sie über längere Zeiträume aus dem Verkehr gezogen haben. Darunter leidet natürlich die Ehe der beiden Protagonisten, so dass sie sich zu einem gemeinsamen Urlaub in Kuba entschließen, um somit ihrer Beziehung eine letzte Chance geben zu können. 
"Dazu musste der Urlaub absolut perfekt werden, es bedurfte einiger Tage, um die aufgestaute Bitterkeit und das gallige Misstrauen abzubauen, Tage, in denen sie erst wieder lernen mussten, auf welche Weise sie einander gut taten. Das alles lag auf ihren Schultern, denn sie wollte ihn überreden, sie wieder in sein Leben zu lassen, und zugleich bat sie um ihre Freiheit. Sie musste sehr vorsichtig sein, damit sie keinen Fehler machte, so verdammt vorsichtig."
Während die beiden in Kuba ihre Eheprobleme in den Griff bekommen wollen, versuchen Sie gleichzeitig an ihrem Ruf als Glamour-Ehepaar und den damit verbundenen luxuriösen Lebensumständen festzuhalten. Zumindest einer dieser Versuche gestaltet sich aufgrund der desolaten finanziellen Situation des Ehepaares als schwierig. Und ob der andere Versuch von Erfolg gekrönt sein wird, bleibt bis zum Ende des Romanes offen. 

R. Clifton Spargo hat mit diesem Roman ein Psychogramm über die Ehe seiner Protagonisten geschrieben. Dabei löst er sich von dem allgemein bekannten Bild des Glamourpaars und stellt die Schwächen und Probleme der jeweiligen Figur in den Vordergrund. F. Scott Fitzgerald haben die Jahre in Saus und Braus zum Alkoholiker gemacht. Darüber hinaus leidet er an den Folgen einer Tuberkulose. Alles in allem ist er ein gesundheitliches Wrack, mit einer Ehefrau an seiner Seite, deren Verhalten durch eine psychische Erkrankung unberechenbar, wenn nicht sogar schizophren ist. 

Das Vorhaben der Eheleute, die Beziehung zu retten, steht also unter einem ungünstigen Stern. Fitzgerald hält aus lauter Pflichtgefühl an Zelda fest. Schließlich ist sie seelisch krank und er fühlt sich für sie verantwortlich.

Die vielseitige und talentierte Zelda Fitzgerald strebt selbst eine Karriere als Autorin sowie Malerin und Tänzerin an. Erste schriftstellerische Versuche waren vielversprechend. Doch leider ließ das Ego ihres Mannes bisher nicht zu, dass sie aus seinem Schatten heraustreten konnte - ein weiterer Krisenherd in dem Konflikt zwischen den Eheleuten.
"Sie wurde nur als Ehefrau aufgeführt, als sonst nichts; aber für die Welt da draußen waren sie immer noch ein sehr bemerkenswertes Paar, der Autor und seine Frau."
Einen besonderen Charme dieses Romans macht der Schauplatz Kuba aus. Denn R. Clifton Spargo präsentiert mit der Darstellung des Inselstaates der 30er Jahre eine nostalgische Mischung aus Urlaubsflair, unbeschwertem Karibik-Lifestyle und kontrastreichem Miteinander von Einheimischen und Touristen, vorwiegend reiche Amerikaner und Europäer. Der Urlaubsalltag besteht aus Faulenzen, gutem Essen und Trinken, in den Tag hineinleben. Und für den Thrill sorgen Freizeitbeschäftigungen wie Stierkämpfe, Hahnenkämpfe oder Reitausflüge. Fast rechnet man als Leser damit, dass Ernest Hemingway auf der Bildfläche erscheinen wird, der im Übrigen ein mehr oder weniger guter Freund von F. Scott Fitzgerald war. 

Fazit 
R. Clifton Spargo hält sich in seinem biografischen Roman "Beautiful Fools" eng an die Fakten, die über das Ehepaar Fitzgerald bekannt sind. Dabei konzentriert er sich bei der Darstellung der Protagonisten auf deren Schwächen und menschlichen Abgründe, so dass das Bild des strahlenden Glamour-Paares in den Hintergrund rückt. Eine interessante Sichtweise! 

© Renie


Montag, 3. August 2015

Hans-Peter Rodenberg: Marlene und Ernest - eine Romanze

Marlene Dietrich und Ernest Hemingway, zwei schillernde Persönlichkeiten des letzten Jahrhunderts. Sie, die glamouröse Filmdiva, die nicht nur durch ihre Filmrollen Berühmtheit erlangt hat, sondern auch durch ihre männlichen Eroberungen. Er, der begnadete Schriftsteller, ein "echter Kerl", der sich vorzugsweise mit Hobbies beschäftigt hat, bei denen er seine Männlichkeit unter Beweis stellen konnte. Hochseefischen, Großwildjagd, Stierkampf, schöne Frauen... nichts hat er ausgelassen.

Marlene und Ernest lernen sich 1934 auf einer Schiffspassage von Europa nach USA kennen. Es knistert zwischen den beiden. Dieses Knistern wird auch nie aufhören. Es wird aber nie zu einer Affäre kommen. Marlene erkennt, dass sie in Ernest einen Seelenverwandten gefunden hat, und dass die Freundschaft zu ihm so viel mehr bedeutet als eine weitere flüchtige Affäre. 

Die beiden werden über einen Zeitraum von 25 Jahren in Kontakt bleiben, indem sie sich Briefe schreiben und sporadisch irgendwo auf der Welt treffen. Sie unterstützen sich gegenseitig im Kampf gegen den "Rest der Welt". Beide leiden darunter, dass ihr Leben der Öffentlichkeit ausgeliefert ist.

Was bedeutet den beiden diese Freundschaft?

Ernest ist für Marlene eine Vaterfigur. Bei ihm kann sie sich "ausweinen", wenn sie von der Öffentlichkeit mal wieder für ihre Eskapaden abgewatscht wurde. Er ist verständnisvoll, er tröstet und er schmeichelt. 
Sie ist für ihn der weibliche Kumpel, dem er nichts vorspielen muss. Insbesondere seinem ständigen Drang, seine Männlichkeit unter Beweis zu stellen, muss er bei seinem "Buddy" Marlene nicht nachgeben. Gleichzeitig ist sie die ehrliche Kritikerin seiner Werke, von der er auch gerne die Kritik annimmt.
"'Die Dietrich war eine sehr resolute Dame';...'Sie konnte sehr glamourös und sie konnte sehr urwüchsig sein. Ich habe gesehen, wie sie wie ein hungriger Terrier an einem deutschen Würstchen herumnagte, aber sie konnte ebenso einen großartigen Auftritt hinlegen, der sogar einer regierenden Königin die Schau gestohlen hätte.'" (S. 34)
"Ähnlich wusste Marlene mit Hemingways Schwächen umzugehen. Befand sie sich in dem für Schauspielerinnen nicht gerade komfortablen Stadium zwischen Jugend und Alter, so war es bei ihm ständig der Drang, seine Männlichkeit zur Schau zu stellen, sei es durch besonders rüde Ausdrucksweisen oder durch Prahlereien mit seiner sexuellen Potenz." (S. 57)

Eigentlich ein interessantes Thema für ein Buch. Ich hatte mir jedoch erhofft, dass man mehr über das direkte Zusammenspiel zwischen den beiden erfährt. Gerade der Hinweis in dem  Vorwort hat mich neugierig gemacht.
"Hans-Peter Rodenberg wertet den erstmals in seiner Gesamtheit zugänglichen Briefwechsel der beiden Ikonen des 20. Jahrhunderts aus und entwirft mit Marlene und Ernest ein ebenso facettenreiches wie intimes Porträt einer außergewöhnlichen Freundschaft." (S.3)

Leider kommt bei Rodenberg's Auswertung das Zusammenspiel zwischen den beiden ein wenig zu kurz. Der Autor legt seinen Schwerpunkt auf die Beschreibung der einzelnen Personen. Er liefert im Grunde genommen 2 Biografien in einem Buch. Wenn man sich im Vorfeld schon ein bisschen mit den beiden Persönlichkeiten befasst hat, erfährt man leider nicht viel Neues über das Leben der beiden. Zwischendurch findet man zwar Auszüge aus dem Briefwechsel. Doch diese gehen leider in dem Überschuss an Informationen unter.

© Renie

Marlene und Ernest - eine Romanze
Autor: Hans-Peter Rodenberg
Insel Verlag
ISBN 978-3458357940

Hans-Peter Rodenberg ist Fernsehjournalist und Professor für Amerikanistik und Medienwissenschaft an der Universität Hamburg. (Quelle: Suhrkamp/Insel)