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Mittwoch, 18. Mai 2016

John Irving: Straße der Wunder

Müllkippenkinder, Geistliche, Transvestiten, Löwenbändiger und ein Mädchen, das Gedanken lesen kann .... Dies sind nur einige der Charaktere aus John Irving's Roman "Straße der Wunder".

Schräge Typen findet man in all seinen Romanen und sind mit ein Grund, warum ich Irving's Geschichten mag. Wenn dann noch Sarkasmus und ein großes Maß an Situationskomik in einem Irving-Roman zu finden sind, bin ich eine glückliche Leserin. "Straße der Wunder" hat mich glücklich gemacht. Zwar nicht berauschend glücklich, doch immerhin ziemlich glücklich ;-)

Worum geht es in diesem Roman?
Juan Diego und seine Schwester Lupe wachsen auf einer Müllkippe in Oaxaca, Mexiko, auf. Die beiden sind ungewöhnliche Kinder. Juan Diego konnte sich selbst das Lesen und Schreiben beibringen. Unterrichtsmaterial hatte er genug: Bücher und Zeitungen, die auf dem Müll gelandet sind. Lupe hat eine Sprachstörung und spricht daher in einem Kauderwelsch, der nur von Juan Diego verstanden werden kann. Er ist ihr Dolmetscher, wenn es darum geht, mit anderen zu kommunizieren. Lupe besitzt die Gabe, Gedanken zu lesen und die Zukunft vorauszusagen. Nachdem sie einige Jahre in einem katholischen Waisenhaus verbracht haben, schließen sie sich irgendwann einem Zirkus an. Denn ihr Gefühl sagt ihnen, dass ihnen der Zirkus die einzige Möglichkeit bietet, aus ihrem Leben etwas zu machen.

Die Geschichte wird aus der Sicht von Juan Diego, der Jahre später - mittlerweile ist er Mitte Fünfzig - als Schriftsteller in Amerika lebt. Juan Diego ist gesundheitlich angeschlagen. Aufgrund einer Herzschwäche muss er Medikamente nehmen, die ihn sehr müde machen. Jedesmal, wenn er ein Nickerchen macht (und das macht er häufig ;-)), driftet er in seinen Träumen in Kindheitserinnerungen ab. Und so erfährt der Leser, was damals in Mexiko geschehen ist, was aus Lupe und den Freunden aus der Kindheit geworden ist, und warum Juan Diego der Mann ist, der er heute ist.
"Dass ein Müllkippenkind sich ein so anspruchsvolles Vokabular aneignen konnte, war kaum vorstellbar; abgesehen von der schmeichelhaften Zuwendung, die dem Jungen durch Bruder Pepe zuteil wurde, hatte Juan Diego nie eine Schulbildung genossen. Dennoch war es ihm nicht nur gelungen, sich selbst das Lesen beizubringen, er drückte sich auch sehr gewählt aus und sprach sogar Englisch - dabei war er ausschließlich über die amerikanischen Touristen mit gesprochenem Englisch in Kontakt gekommen." (S. 69)